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Editorial
Die Klassik wächst unablässig an sich selbst. Ihre präzise Körpertechnik gehört zu den rigorosesten. Ihre Tradition ist
unverbrüchlich. Als eine geschlossene Welt gilt das Ballett, auf deren Bühne sich während des Kalten Kriegs die
Olympier dieser Kunst maßen, ebenso wie die Überläufer Rudolf Nureyev und Mikhail Baryshnikov. Sie trugen eine
Klassik von Ost nach West, die seit ihrem Bestehen immer wieder von einer Moderne angegriffen wurde, deren Kind sie
ist. Denn das klassische Ballett gab es erst, nachdem die Weimarer Klassik untergegangen war.
In diesem Jahrbuch der Zeitschrift ballet-tanz nehmen wir die Mythen des Balletts unter die Lupe, räumen Vorurteile
weg und zeigen durch das Kameraauge von Joachim Manuel Riederer das ungeschminkte Bild einer Kunst, die nach
Stars geht, die ganze Welt mittanzen lässt und die (Initiations)-Rituale von Jugendlichen zum ewigen Thema hat,
wie Dorion Weickmann zeigt. Dieses Heft entstand zusammen mit der Verfasserin des Standardwerks «Der dressierte
Leib» und enthält ab Seite 110 auch das Ergebnis der diesjährigen Kritikerumfrage: Wer ist der Choreograf des Jahres?
(ein Liebling der Klassiker), wer ist die Tänzerin des Jahres? (eine emanzipierte Klassikerin), welches ist die Produktion
des Jahres? (ein Stück, das das Zeug zum Klassiker hat). Die Klassik, das ist 2009 nur erneut bewiesen, bleibt so
unangreifbar und unsterblich wie ihre Wilis und Sylphiden. Eine Kostprobe ihres harten Trainings liefert unser
Video des Monats unter ballet-tanz.de.
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